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Donnerstag - 4. Mai 2017

Einweihung „Haus der Nationen“ in Bergisch Gladbach

Aus den Ausführungen von Dr. Markus Steilemann

Chief Commercial Officer, Covestro AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Urbach,
sehr geehrter Herr Sassi,
meine Damen und Herren,

danke zunächst, lieber Herr Urbach, dass wir heute hier sein dürfen. Mein Name ist Markus Steilemann und ich bin als Chief Commercial Officer im Vorstand von Covestro tätig. Ich bin also für alle produktnahen Bereiche zuständig – von der Forschung und Entwicklung bis zu Vertrieb und Ordermanagement

Das Unternehmen Covestro, Herr Urbach sagte es bereits, gibt es als eigenständigen Konzern erst seit September 2015. Zuvor waren wir ein Teilkonzern der Bayer AG, genauer die Kunststoffsparte.

Wir stellen also Vorprodukte für Kunststoffe her. Daraus werden viele verschiedene Produkte, die im täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind: vom Laptop-Gehäuse über den Autolack bis zum Brillenglas und zur Kühlschrankdämmung.

Viele dieser Produkte basieren auf dem Schaumstoff Polyurethan, mit dem wir den Großteil unseres Umsatzes machen. In weicher Form wird er zum Beispiel in Matratzen oder Polstern eingesetzt – wahrscheinlich sitzen Sie gerade drauf oder haben darauf gesessen, als sie mit dem Auto hergefahren sind.

Als harter Schaumstoff ist Polyurethan wiederum eines der besten Dämmmaterialien der Welt.

Damit lassen sich - wie eben gesagt - Kühlgeräte oder eben auch Häuser effizient dämmen. Das ist wichtig, denn Gebäude stehen für 40 Prozent des globalen Energieverbrauchs und rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen. Mit effizienter Dämmung von Millionen von bestehenden Gebäuden oder Neubauten rund um den Globus ergibt sich hier ein gigantischer Hebel für den Klimaschutz.

Bereits seit langem gibt es sogenannte Sandwichpaneele für Industriegebäude. Dabei wird eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Polyurethan-Hartschaum zwischen zwei Metallplatten eingefasst. Die so entstehenden Paneele sind einfach und schnell hergestellt und verbaut. Gleichzeitig sorgen sie für eine effiziente und günstige Dämmung beispielsweise von Lagerhallen.

Wir bei Covestro haben uns jedoch gefragt: Warum sollte sich eine solche Lösung – kostengünstig, schnell, effizient – nicht auch für Wohnhäuser umsetzen lassen?

Die Vorteile liegen auf der Hand: Solche Wandpaneele mit unserem Schaumstoff lassen sich schnell herstellen – statt in Aluminium lässt er sich auch in zwei dünne Schichten Zement einfassen. Die so entstehenden Bauteile sind sehr leicht – pro Wandpaneel je nach Größe nur etwas mehr als 100 Kilo – und entsprechend einfach und spritsparend zu transportieren.

All diese Vorteile bedeuten weniger Zeitaufwand und Kosten vorab und auf der Baustelle.

Meine Damen und Herren,

der Gedanke, mit unseren bestehenden Produkten für Industriegebäude bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen, hat uns also schon länger umgetrieben. Menschen in Not zu helfen sehen wir als unsere menschliche Verpflichtung als Unternehmen an.

Wir haben uns daher bereits vor einigen Jahren entschlossen, dieses Thema unter dem Namen „Inclusive Business“ intensiver weiter zu verfolgen – primär in einkommens- und strukturschwachen Regionen der Welt oder dort, wo Wohnraum knapp oder teuer ist.

„Inclusive Business“ heißt das Modell bei uns deshalb, weil wir damit Menschen vom unteren Ende der Einkommenspyramide mit unseren Produkten helfen wollen. Diese Menschen leben oft in prekären Lebenssituationen, aus denen sie sich wegen dieser Umstände auch nicht selbst befreien können. Hilft man Ihnen jedoch mit gutem Wohnraum, führt das zu höherer Lebensqualität, verbesserter Hygiene und Gesundheit. So bekommen die Menschen bessere Perspektiven und werden in die Lage versetzt, den sozialen Aufstieg zu bewältigen. Kurz gesagt: Sie bekommen wieder eine Zukunft.

Auf den Philippinen und im Irak sowie in Indien sind im Rahmen dieser Initiative bereits Fertighäuser entstanden. Auch in Jordanien führen wir zurzeit Gespräche mit verschiedenen Nichtregierungsorganisationen über den Bau solcher Häuser.

Im Irak beispielsweise sind hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Terror und Vertreibung nahe der Stadt Erbil gestrandet – zu großen Teilen ohne Chance auf Rückkehr, also plötzlich ohne Wurzeln, ohne Heimat. Mit diesem Gedanken im Gepäck, in Zeltstädten, wo viele Menschen auf engstem Raum leben müssen, fällt der Gedanke an Zukunft und Perspektiven schwer. Viele dieser Flüchtlinge kommen daher nach Europa auf der Suche nach einem Ort, wo sie aus eigener Kraft wieder eine Existenz aufbauen können.

Diese Suche nach Schutz, Sicherheit und einer Perspektive für ihre Zukunft führt die Menschen auch zu uns nach Deutschland. Wir, die wir in Wohlstand leben – und wir als Covestro, als Unternehmen, dem es aktuell gut geht – sehen uns daher in der Verantwortung, zu helfen. Persönlich mit unserem Einsatz als Menschen und unserer Empathie. Als Unternehmen mit unseren Materialien und Lösungen.

Das tun wir vor Ort, wie im Irak. Das können wir auch hier in Deutschland tun.

Denn nicht nur Schwellenländer, auch Länder wie Deutschland können von einer Lösung wie hier in Bergisch Gladbach profitieren. Denn zum einen muss derzeit für die große Zahl an Menschen, die hier Zuflucht suchen vor Krieg und Vertreibung, schnell Wohnraum geschaffen werden. Herr Urbach wies schon auf den Druck hin, dem sich Städte wie Bergisch Gladbach da ausgesetzt sehen. Die Zuwanderung ist eine historische Herausforderung für unser Land. Sie bietet aber auch eine große Chance: Wenn es uns gelingt, die Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren, sie teilhaben zu lassen und ihnen Chancengleichheit zu ermöglichen. Der Große Einsatz innerhalb der Bevölkerung, von Ehrenamtlichen sowie Städten und Gemeinden wie Bergisch Gladbach zeigt, wie es gehen kann.

Unternehmen wie Covestro können, müssen und wollen unterstützen. Wir bieten daher zum Beispiel mit dem Wuppermann Bildungswerk in Leverkusen Hilfe beim Spracherwerb, Leben und Deutschland und der Berufsorientierung an. Damit möchten wir die Qualifizierung von 15 Menschen jährlich soweit fördern, dass sie bei uns eine Ausbildung beginnen können.

Wir können aber auch hierzulande mit unseren Materialien Lösungen anbieten. Das könnte nicht nur Flüchtlingen helfen: Denn speziell in Ballungsräumen und Hochschulzentren wie hier an Rhein und Ruhr bezahlbarer, hochwertiger Wohnraum knapp. Hunderttausende Wohnungen fehlen, Tendenz eher steigend.

Meine Damen und Herren,

das Musterhaus, das wir hier heute feierlich übergeben wollen, ist ein Beispiel dafür, wie bezahlbarer Wohnraum aussehen kann. Wir werden gleich dorthin gehen – und Sie werden sehen: Es steht einem konventionellen Haus in nichts nach.

Damit ein solches Projekt zustande kommt, bedarf es der engen Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Wir bei Covestro freuen uns besonders, dass durch den Einsatz engagierter Mitarbeiter, die hier vor Ort leben, der Kontakt zur Stadt hergestellt werden konnte. Wir sind ebenso froh und dankbar, dass Sie, Herr Urbach, und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Idee nicht nur offen gegenüber standen, sondern die Umsetzung auch ermöglicht und unterstützt haben.

Fertig gebaut war das Haus innerhalb von nur vier Wochen – der Rohbau stand sogar schon nach knapp zwei Wochen. Maßgeblich dafür ist die effiziente Bauweise mit Stecksystem von unserem französischen Partner, dem Fertighaus-Hersteller Logelis. Sie haben unsere Materialien hier und beispielsweise auch im Irak mit ihrem exzellenten Know-how bestmöglich eingesetzt und verarbeitet. Ohne Sie wäre der Bau nicht möglich gewesen – daher: Danke für die Zusammenarbeit, lieber Herr Sassi.

Die Wandelemente können in Größe und Zuschnitt variieren und machen damit Häuser nach Wunsch und auch mit mehreren Etagen möglich. Der Quadratmeterpreis eines solchen Hauses von der Firma Logelis liegt bei rund 1150 Euro. Die Kundigen unter Ihnen wissen, dass normale Fertighäuser deutlich teurer sind. In Ballungsräumen wie Köln sind die Preise für Wohnraum sogar noch höher – dort lagen die Preise zuletzt durchschnittlich bei weit über 3000 Euro pro Quadratmeter. Unerschwinglich für die einkommensschwache Bevölkerungsschicht.

Auch der Boden und die Decke sind mit Polyurethan gedämmt. Die ganze Gebäudehülle besteht also aus dem Material – was dazu führt, dass das Haus hier in der Flüchtlingsunterkunft sogar Passivhaus-Standard entspricht. Es braucht keine konventionelle Heizung.

Meine Damen und Herren,

schnelle Bauzeit, einfache Herstellung, leichte Bauteile und damit niedrige Transportkosten sowie Passivhausstandard: Ein solches Haus hat viele Vorteile – selbst gegenüber normalen Häusern. Gleichzeitig kostet es nur einen Bruchteil.

Es ist das erste Haus seiner Art in Deutschland – das bedeutet gleichzeitig, dass wir etliche Genehmigungen eingeholt und Formalitäten erfüllt haben und nun genau wissen, was wir brauchen, um solche Projekte auch in anderen Städten und Gemeinden umzusetzen.

Damit können wir Wohnraum für einkommensschwache Schichten oder für Menschen, die in Not sind, einfach und schnell verfügbar machen. Wir hoffen, dass dieses Gebäude der Stadt, den Flüchtlingen und den Ehrenamtlichen hilft, die sich hier unermüdlich und bewundernswert einsetzen. Und wir hoffen, dass wir künftig noch mehr Menschen mit dieser Lösung helfen können.

Herzlichen Dank nochmals an alle Beteiligten – lassen Sie uns nun gemeinsam zum Heim und zum „Haus der Nationen“ aufbrechen.


Zukunftsgerichtete Aussagen:
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der Covestro AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Covestro in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf www.covestro.com zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.